Berliner Traditionsmarken: Wenn Genuss Stadtgeschichte erzählt

Berliner Traditionsmarken: Wenn Genuss Stadtgeschichte erzählt

Berliner Herkunft · Traditionsmarken

Wenn Genuss Stadtgeschichte erzählt.

Berlin verändert sich ständig. Häuser verschwinden, Kieze verändern sich, neue Ideen entstehen – und manches bleibt einfach.

Sechs Berliner Marken. Fast zwei Jahrhunderte Stadtgeschichte.

Einige Berliner Marken haben Kaiserreich, Goldene Zwanziger, Krieg, Teilung, Wiedervereinigung und den nächsten Neuanfang erlebt. Sie gehören damit nicht nur zur Wirtschaftsgeschichte der Stadt. Ihre Produkte sind kleine Stücke Berlin zum Essen, Trinken und Verschenken.

Einige dieser Traditionsmarken findet ihr auch bei uns.

1831

Mampe:
Berliner Spirituosengeschichte

Die Geschichte von Mampe beginnt mit einer ungewöhnlichen Idee. Der Mediziner Carl Mampe entwickelte im pommerschen Stargard einen Kräuterbitter, der ursprünglich als Mittel gegen die damals grassierende Cholera gedacht war.

1851 kam Mampe nach Berlin – und aus dem medizinisch gedachten Bitter entwickelte sich eine Spirituosenmarke, die über Generationen eng mit der Hauptstadt verbunden blieb.

Mampe wurde zeitweise weit über Berlin hinaus bekannt, verschwand später beinahe vom Markt und kehrte schließlich wieder zurück. Heute entstehen die Spirituosen in Berlin-Kreuzberg. Der weiße Elefant, der die Marke seit vielen Jahrzehnten begleitet, erinnert dabei bis heute an ihre bewegte Vergangenheit.

Kaum eine andere Berliner Genussmarke verbindet so unmittelbar historische Rezepturen, Stadtgeschichte und modernen Manufakturgeist.

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Historische Darstellung zur Berliner Traditionsmarke Mampe
Mampe – Berliner Spirituosengeschichte mit Wurzeln im 19. Jahrhundert.
1880

Sawade:
Pralinen aus Berlin

Als Berlin im ausgehenden 19. Jahrhundert zur europäischen Metropole heranwuchs, eröffnete Ladislaus Maximilianus Ziemkiewicz 1880 sein Geschäft für Pralinen, Konfekt und Bonbons – ausgerechnet Unter den Linden, einer der prominentesten Adressen der Stadt.

Ziemkiewicz hatte sich zuvor in Paris mit der Herstellung feiner Confiseriewaren beschäftigt. Zurück in Berlin entstand daraus Sawade, heute die älteste Pralinenmanufaktur der Hauptstadt.

Bis heute werden Pralinen und Trüffel in Berlin gefertigt. Viele Rezepturen und handwerkliche Verfahren wurden über Generationen bewahrt, während Gestaltung und Sortiment immer wieder behutsam weiterentwickelt wurden.

Tradition bedeutet hier eben nicht Stillstand: Das Gute bleibt – Berlin drumherum verändert sich.

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Historische Darstellung der Berliner Confiserie Sawade
Sawade – Berliner Confiseriekultur seit 1880.
1882

Confiserie Reichert:
Berliner Konditorkultur

Auch die Confiserie Reichert gehört zu den bemerkenswerten Überlebenden der Berliner Genussgeschichte. Ihre Tradition reicht bis ins Jahr 1882 zurück.

Damit stammt das Unternehmen aus einer Zeit, in der Kaffeehäuser, Konditoreien und Confiserien zu einem festen Bestandteil des großstädtischen Lebens wurden. Kuchen, Torten, Gebäck und Pralinen waren nicht nur Süßigkeiten – die Cafés waren Treffpunkte.

Diese handwerkliche Konditoreikultur lebt bei Reichert weiter. Noch heute entstehen Torten, Pralinen, Schokoladen und Gebäck in eigener Herstellung. Die Confiserie zählt damit zu den ältesten noch betriebenen Häusern ihrer Art in Berlin.

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Historische Berliner Konditorei- und Confiseriekultur bei Reichert
Confiserie Reichert – Berliner Konditoreitradition seit 1882.

„Tradition bedeutet nicht Stillstand. Das Gute bleibt – Berlin drumherum verändert sich.“

Berliner Genussgeschichte
1912

Erich Hamann:
Schokolade trifft Moderne

1912 machte sich der gelernte Konditor Erich Hamann in Berlin selbstständig. Sein Spezialgebiet: ungewöhnlich herbe Schokoladen, bei denen der Geschmack des Kakaos im Mittelpunkt stehen sollte.

Besonders spannend wird die Geschichte 1928. Hamann zog mit seiner Manufaktur in die Brandenburgische Straße 17 in Wilmersdorf. Das dortige Ladengeschäft wurde von Johannes Itten, einem der bedeutenden Vertreter des Bauhauses, gestaltet. Teile dieser historischen Einrichtung sind bis heute erhalten.

Der Zweite Weltkrieg brachte das Unternehmen beinahe zum Erliegen. Geschäfte gingen verloren, Rohstoffe fehlten. Familie und Mitarbeiter bauten die Produktion danach wieder auf.

Und so kann man heute in Berlin nicht nur Schokolade nach überlieferten Rezepturen kaufen – sondern zugleich ein erstaunlich gut erhaltenes Stück Berliner Design- und Unternehmensgeschichte erleben.

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Historische Darstellung der Berliner Schokoladenmanufaktur Erich Hamann
Erich Hamann – herbe Schokolade und Berliner Moderne.
1921

Aseli:
Die Berliner Maus

Manchmal beginnt eine Traditionsmarke ganz klein. Im Fall von Aseli sogar mit einer weißen Maus.

Alfred Seliger, Sohn eines Konditormeisters, entwickelte eigene Süßwaren und zog zunächst mit einem Bollerwagen durch Berlin, um sie an Geschäfte zu verkaufen.

1921 gründete er schließlich sein eigenes Unternehmen. Aus A. Seli(ger) wurde der Markenname Aseli.

Berühmt wurden vor allem die weißen Schaumzuckermäuse mit ihren farbigen Augen. Und während sich die Süßwarenindustrie seit den Zwanzigerjahren grundlegend verändert hat, arbeitet Aseli bis heute erstaunlich traditionell: Der Schaumzucker wird nach Familienrezepturen hergestellt, gekocht, gespritzt und von Hand dekoriert.

Mehr als hundert Jahre später wird das Berliner Unternehmen bereits in dritter Generation geführt.

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Historische Darstellung der Berliner Schaumzuckermarke Aseli
Aseli – Berliner Schaumzuckertradition seit 1921.
1963

Berliner Pilsner:
Ein Stück geteiltes Berlin

Tradition muss nicht immer aus dem Kaiserreich stammen. Auch die Geschichte des geteilten Berlins hat ihre Marken hervorgebracht.

Berliner Pilsner kam 1963 in Ost-Berlin auf den Markt. Von Anfang an gehörte der rote Berliner Bär zum Erscheinungsbild der Marke. Das Bier wurde zu einem festen Bestandteil des Alltags in Berlin und Brandenburg.

1987 feierte Ost-Berlin mit Berliner Pilsner das 750-jährige Stadtjubiläum. Zwei Jahre später fiel die Mauer. Die Marke blieb.

Damit steht Berliner Pilsner für eine ganz andere Form Berliner Tradition: nicht für die kleine Confiserie des 19. Jahrhunderts, sondern für Alltags- und Industriekultur aus der Zeit der DDR – und für eine Marke, die den tiefgreifenden Wandel der Stadt nach 1989 überstanden hat.

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Historische Darstellung zur Berliner Bier- und Alltagskultur
Berliner Pilsner – Teil Berliner Alltagskultur seit 1963.
Was bleibt

Was eine Berliner Traditionsmarke wirklich ausmacht.

Tradition entsteht nicht allein dadurch, dass eine Jahreszahl alt genug ist.

Sie entsteht, wenn Rezepturen weitergegeben werden. Wenn Mitarbeiter Wissen bewahren. Wenn Unternehmen Krisen überstehen, sich verändern und trotzdem etwas von ihrem ursprünglichen Charakter behalten.

Mampe, Sawade, Reichert, Erich Hamann, Aseli und Berliner Pilsner erzählen deshalb ganz unterschiedliche Geschichten.

Gemeinsam zeigen sie aber etwas typisch Berlinerisches: Diese Stadt erfindet sich ständig neu – ohne alles Alte über Bord zu werfen.

Und vielleicht ist genau das der schönste Grund, Berliner Produkte zu entdecken: Man nimmt nicht nur etwas aus Berlin mit.

Manchmal nimmt man ein kleines Stück seiner Geschichte mit.

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