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Een kleener Sprachführer für Zugereiste, Touries und alle, die noch nie wissen, ob's nu Schrippe oder Brötchen heeßt. Mit Sprachgeschichte, Grammatik, weit über hundert Vokabeln, Sprüchen und Anekdoten.
Berlin spricht Deutsch – eigentlich. Nur klingt's dabei, als hätte sich die Sprache noch nie beim Friseur blicken lassen: kantig, direkt, manchmal derb, aber im Kern immer herzlich. Wer hier hinzieht, lernt schnell: icke heißt nicht "ick", det ist kein Tippfehler, und wer nach 'nem "Pfannkuchen" fragt, bekommt keinen Eierkuchen, sondern 'n Krapfen mit Marmelade. Diese erweiterte Ausgabe übersetzt die Berliner Schnauze nicht nur ins Hochdeutsche – sie erzählt ooch, wo die Wörter herkommen, was Ost und West bis heute trennt, und mit welchen Geschichten sich Berlin selbst am liebsten erzählt. Viel Vergnügen, und immer feste druff.
Berlinerisch ist kein Dialekt im klassischen Sinne, sondern eher ein Sammelbecken – eine Stadtsprache, die sich über Jahrhunderte aus Zuwanderung zusammengebraut hat. Schon der Name der Stadt ist umstritten: Viele Sprachforscher vermuten einen slawischen Ursprung, etwa ein altpolabisches Wort für eine sumpfige oder trockene Stelle im Sumpfgebiet der Spree. Beweisen lässt sich das nicht restlos – aber es passt gut zu einer Stadt, die von Anfang an mehrsprachig war.
Einen echten Schub bekam die Berliner Sprache im 17. Jahrhundert. Mit dem Edikt von Potsdam 1685 lud der Große Kurfürst tausende französische Hugenotten nach Berlin ein, die vor religiöser Verfolgung flohen. Sie brachten Handwerk, Handel – und jede Menge Wörter mit. Bis heute stecken französische Spuren im Berliner Sprachgebrauch: die Bredullje (Verlegenheit, von bredouille), das Trottoir (Bürgersteig) oder die Chose (Sache, Angelegenheit) sind direkte Erben dieser Zeit.
Eine zweite große Wortquelle ist das Jiddische, oft vermittelt über das Rotwelsche, die traditionelle Sprache reisender Händler. Wörter wie meschugge, Kies, Stuss und Schmonzes oder die Redewendung Tacheles reden gehören seit Generationen zum Berliner Wortschatz und erinnern an die lange jüdische Geschichte der Stadt.
Nach 1945 kam eine weitere Schicht dazu: Die Teilung Berlins bescherte Ost und West über vier Jahrzehnte getrennte Wortentwicklungen. Im Osten sagte man Broiler statt Brathähnchen, kaufte in der Kaufhalle statt im Supermarkt ein, fuhr am Wochenende in die Datsche und aß Ketwurst statt Currywurst. Manche dieser Wörter haben die Wende überlebt und werden bis heute – vor allem im Osten der Stadt – genüsslich verwendet.
Seit den 1990er-Jahren ist ein ganz neuer Berliner Sprachzweig entstanden: das sogenannte Kiezdeutsch. Sprachforscherinnen wie Heike Wiese (Universität Potsdam) untersuchen es seit Jahren als eigenständige Sprachvarietät, die vor allem in mehrsprachigen Stadtteilen wie Kreuzberg oder Neukölln unter Jugendlichen entstanden ist. Kiezdeutsch mischt deutsche Grammatik mit Lehnwörtern aus dem Türkischen, Arabischen und Kurdischen – ähnlich, wie das klassische Berlinerisch einst aus Französisch, Jiddisch und Slawisch entstand. Linguistisch betrachtet ist das keine "kaputte" Sprache, sondern ein ganz normaler multiethnischer Stadtdialekt, wie es sie in vielen Großstädten weltweit gibt – nur eben mit Berliner Herzschlag. Ein paar Kostproben:
Berlinerisch ist meist Hochdeutsch mit umjebogenen Konsonanten. Wer diese Verschiebungen drauf hat, versteht schon die Hälfte vom Kiez.
| Hochdeutsch | Berlinerisch | Beispiel |
|---|
Von Allet bis zappenduster – die wichtigsten Wörter, sortiert wie's sich für 'n anständiges Wörterbuch jehört.
Nüscht jefunden. Anderet Wort probieren, wa?
Ganze Sätze, die man nicht Wort für Wort übersetzen sollte – sonst kommt nur Quatsch bei raus.
Sechs kleine Geschichten, die zeigen, wie eng Berlins Sprache mit seiner Geschichte verwoben ist.